Thursday, 12 June 2014

Spektakel

Keine Hunde gibt's hier. Das erleichtert das Laufen sehr und wir brauchen unsere "Der tuat nix" Stöcke nicht. Früh sind wir auf und gehen um 1/2 8 schon auf die Runde. In die Stadt hinauf geht's recht steil, da schnauft man ein bisschen.
Eine Wäscherei entdecke ich, der bring ich nachher die Wäsch'.
Und dann geht's zum ersten Mal los heute mit dem Hafenkino im X-Large Format. Neben uns der Katamaran, eine Lagoon 50 muss ablegen, das weiß er eh' nur seine Gäste nicht. Die kommen reichlich spät daher getingelt und er war schon ein bissi nervös. Er kennt sein Schiff und manövriert elegant bei starkem Seitenwind den Kat aus dem Hafen. Er lag in der am Kai mit gelb markierten Zone. Die endet bei uns, genau bei uns. Und das heißt, dass der High Speed Express auch hier endet, genau bei uns.
Und so geht's da zu: Es ist alles verträumt, wenig Leute am Hafen. Die beiden Hafen Cafés vis a vis sind leer. Zwei ältere Touristen mit ihren Rollkoffern setzen sich auf einen Poller. Dann wird es langsam lebhafter. Taxis bringen Gäste, die mit der Fähre mit wollen. Die Cafés füllen sich mit denen, die noch schnell einen Abschiedstrunk nehmen wollen. Plötzlich sind sie voll. Jetzt kommt die Portpolice. Man hört sie schon von weitem. Sie verscheuchen alle Autofahrer von den markierten Parkplätzen mit ihren Pfeifchen. Jetzt kommt der Mann, der der Fähre beim anlegen hilft. Wir kennen ihn schon, er hat uns auch geholfen und von uns den zweiten Bailloni bekommen. Drein geschaut hat er als ob ihm ein fünfer lieber gewesen wäre. Die Fähre kommt in 5 Minuten und man sieht sie schon. Kurz bevor sie anlegt kommt leben in den Hafen. Die Cafégäste springen alle gleichzeitig auf und wollen zahlen. Der Kellner kennt das schon und bleibt ruhig. Jetzt kommen die Hotelvermieter mit ihren Schildern. Sie schlendern noch ruhig alle auf die selbe Stelle über der Straße zu. Auf der anderen Seite dürfen sie nicht stehen, da passt die Polizei auf. Und dann geht es Schlag auf Schlag. Ich weiß gar nicht wo ich zuerst hinschauen soll. Der Anker fällt, die Anlegegehilfen schmeißen die Wurfleinen an Land, die Autos starten und wollen schon in die Fähre fahren. Die ersten Gäste verlassen diese bereits. Die Hotelvermieter beginnen wie auf Kommando alle gleichzeitig zu schreien. Ich versteh sie nicht. Manche, die die Fähre verlassen haben den "ich suche mein reserviertes Hotel" Blick drauf. Die sind uninteressant. Die suchen auch länger. Manche haben den "ich lebe hier" Blick, die interessieren gar nicht. Aber ein paar kommen mit dem "wir suchen ein Zimmer" Blick. Und den kennen die genau. Sie stürzen sich zu dritt, zu viert auf die armen Touristen. Es gilt nicht das recht des Ersten. Andere werfen sich dazwischen und Preisen ihre Zimmer mit Schautafeln und vielen Bildern an. Die Gäste entscheiden sich und es wird Ausschau nach den nächsten gehalten. Sehr geschäftstüchtig und auch nicht unangenehm aufdringlich.

Währenddessen sind die abfahrenden schon eingestiegen. Die Leinen werden losgeworfen und die Rampe eingeklappt. Noch eine große Welle, das laute rumpeln des Ankers wenn er in seiner Vorrichtung einrastet und dann ist es still. Alle sind weg. Die Polizisten, die Zimmervermieter, die Fähre und die Gäste. Nur der Leinenjunge ist noch da, er ist immer da.
Und das ganze Spektakel gibt's gleich vier bis fünfmal am Tag. Herrlich!
Dann kommt pünktlich um 12 der Seajet, der der gleich bei uns anlegt. Er macht einen Höllenlärm und stinkt auch so. Er rückt uns näher und näher bis wir uns denken, sieht der uns auch?
Der Kapitän ist ein Profi, zwei Meter vor uns macht er halt. Wir haben trotzdem unseren Motor gestartet, man weiß ja nie.

Am Schulhof wird gespielt. Die Kinder bekommen jeder einen Luftballon an ein Bein gebunden. Mit dem anderen Bein versuchen sie den Luftballon der anderen zu zerplatzen. Zirka 30 Kinder spielen das gleichzeitig. Auch ein Spektakel. Nikos gewinnt. Nikos gewinnt immer!

Am Weg in die obere Stadt knipse ich noch ein paar blau-weiße Eindrücke.



In dieser Kiste sind ungefähr 200 Angelhaken mit lauter Kuddelmuddel Schnürln dran. Jippie, der sitzt noch lange.



Der Polizist beim verscheuchen der Falschparker. Immer ohne Hektik. Nur mit dem Pfeifferl werden die Sünder herbeigerufen, die dann mit gesenktem Kopf und einer Ausrede (ich glaube es gibt 10 Standardausreden und man würfelt vorher, welche man heute nimmt) ihre Autos verholen.


Das ist Gyros, der Hafenjunge, der die Leinen fängt. Neben ihm steht Pita, der Gemeindearbeiter. Wir haben ihn beim Mistkübelausleeren, beim zusammen kehren und beim Ankunftshaus malen gesehen. 

Und das ist Souflaki, der Chef. So muss ein Kapitän schauen, wenn er angelegt hat. Jürgen schaut mich an und meint: "Gell, du wärst jetzt gern da oben" Ja, stimmt.

Hier sehen wir noch Sousana bei ihren - in diesem Fall nicht erfolgreichen, weil zu teuer - Verhandlungen.

Vertrauen aufbauen durch Körperkontakt führt bei diesen Suchenden zum gewünschten Effekt.

Wie gesagt, so nah hat's gar nicht sein müssen.

Wednesday, 11 June 2014

Inselhüpfen

Die Wetterdaten hätten eigentlich 15 Knoten Wind versprochen. Damit wären wir ganz flott in Ios gewesen. Dem war aber nicht so. Am Anfang waren wir zu nah unter Land und die Winde waren böig und haben gedreht. Dann haben wir uns für einen 2sm Umweg entschieden um nicht in der Lee Seit einer Insel vorbeizufahren. Hat auch nicht viel geholfen. Eine Stunde mussten wir sogar motoren. Dann kam Ios in Sicht. Vier Segler und ein Katamaran vor uns auch mit Peilung Ios. Dann noch eine große Motoryacht. Das wird eng. Laut Plan gibt's nicht viel Platz. Der dicke da ist gerade aus Ios gekommen und hat uns gezeigt was PS sind.

In Ios beim Anlegen wieder Hafenkino erster Güte. Ich habe angelegt. Buganker mit dem Heck zur Mole, ganz schöner Seitenwind. Standardmanöver bei dem man auch den Nachbarn ein bisschen berührt. Das macht aber nix, es sind ja Fender da. Kaum haben wir unsere deutschen Nachbarn das erste Mal zärtlich gestreichelt kamen sie schon, die Belehrungen. Das Liebe ich sehr. Wir sollen doch noch ein bisschen rüber und nicht so nach und was weiß ich. Wir haben unser Manöver fertig gefahren, ein "Guten Tag" Bier geöffnet und uns das treiben an der Mole angeschaut. Das Bier war schon leer als unsere Nachbarn noch immer irgendwelche Schnürln montierten, zogen und diskutierten.
Am Nachbarboot gings auch rund. Da gabs ein Problem im Maschinenraum mit dem Diesel. Sie haben mit Fetzen den dreckigen Diesel aufgetunkt und in einen Kanister gefüllt. Jetzt am Steg habe sie den Diesel in Flaschen umgefüllt und dabei ordentlich Mist gemacht. Erst als sie dann den Kanister verkehrt zum restentlehren aufgestellt haben ist es dem Lokalbesitzer vis a vis zu bunt geworden und hat ordentlich mit ihnen geschimpft. Recht hat er.


Ja und dann gab's auch wieder Fährverkehr. Ein richtiges durcheinander. Schreiende Griechen, die um Kunden werben, knarrende Seile die das Riesenschiff halten müssen und Lastwagenfahrer, die auf 2 cm ihre Trucks in die Fähren bugsieren.
Das da ist übrigens unser Logbuch. Da schreiben wir brav rein, wenn wir ablegen, Segel setzen, unter Motor fahren, wie das Wetter ist, den Logestand und noch vieles mehr.

Heute bleiben wir in Ios. Wir liegen zwar genau dort wo der Katamaran anlegt und der wird uns ordentlich zusammenbeuteln aber sonst ist es sehr schön hier. Ich mache ein paar nette richtig griechische Fotos.

Tuesday, 10 June 2014

Ruhiger Segeltag


Gemütlich gehen wir den Tag an. Laufen, Frühstücken, Fähre schaun. Wir wollen Richtung Ios. Je nach Wind werden wir aber auf einer der Inseln am Weg Stop machen, wenn es zu spät wird.

Zuerst kreuzen wir gegen den Wind mit Grossschifffahrtgegenverkehr (cooles Wort). Dann nahe an den Küsten zwischen den Inseln durch. Der Wind ist eher wenig und wir entscheiden uns für die Insel Folegandros. Wir segeln so dahin, kochen Risotto und kommen zum Sunset in der Bucht an. Ein Katamaran, den wir gestern in Adhamas gesehen haben liegt schon dort. Später kommt noch ein Segler, der hinter uns den Anker wirft. Sonst gibt’s von diesem ruhigen Tag nicht viel zu berichten, aja, Delfine haben wir in einiger Entfernung gesehen. Die Angel habe ich wieder hinten nachgezogen aber ich glaube, das ist nicht mehr als Köder baden. Heute geht es weiter nach Ios.

Sunset sailing in greece

Das ist unsere Ankerbucht am nächsten Morgen. Next Stop Ios

 

Monday, 9 June 2014

Touristentag

Am Morgen waren sie immer noch da, unsere Nachbarn, die Russen. Kein Muh, kein Mäh, kein guten Morgen, na dann nicht. Sehr unüblich unter Seglern. Normalerweise gibt es immer ein paar freundliche Sätze, ein Gruß, wohin geht’s?, woher kommt ihr, habt ihr einen Tipp?

Später wurden wir dann noch von der zweiten Großmacht eingekreist. Links Russland, rechts USA und klein Österreich dazwischen. Wir haben den Amis aber nichts davon gesagt, dass hier der Feind liegt. Die hätten fast ihren Anker über unseren geschmissen, aber nur fast. Beim abtauchen habe ich dann festgestellt, dass Russland den längsten hat. Vor Österreich und abgeschlagen USA. Anker natürlich.

Nach morgendlichem Sportprogramm, bei dem Jürgen unseren Wirten des Vertrauens entdeckte,( Er schaut immer ob etwas vom tripadviser ausgezeichnet ist. Der hat 4,5 von 5 möglichen Punkten. Da gehen wir hin.) genossen wir Hafenkino. Anlegemanöver von ungeübten, dazu die Ratschläge von den Besserwissern am Steg. Ein alter Mann spleisst hingebungsvoll ein Auge in ein Tau für sein Dingi. Er hat eine Glitzerkappe auf, eine nicht angezündete Zigarre im Mund und so sitzt er am Steg und arbeitet mit seinem Marlspieker.

Hunger treibt uns zum Pitastand. Schnell bestellt ohne zu schauen. Oje, wir sind die ersten Kunden heute. Der Spiess dreht sich zwar, aber er ist noch kalt, das Öl für die Pommes auch, deshalb ab in die Mikro mit den Pommes. Es dauert auch recht lange bis alles warm ist. Die Wirtin unterhält uns derweil mit ihrem Gesang. Der ist inkludiert in den zwei Euro.
Dann findet Jürgen endlich eine Chandlery bei der es eine lang gesuchte Nietenzange gibt. Hier ist sie:
Wir schlendern durch die Stadt, skypen, bloggen und Jürgen geht noch zur Port Police, das steht auch auf dem Gebäude drauf. „Port Police“. Wir finden es nicht sofort und fragen eine Dame. „Port Police? Where?“ Sie schaut uns an wie Marsmännchen. Wir sind keine 20 Meter entfernt, sie hat keine Ahnung wovon wir reden. Wir ziehen ohne Auskunft von dannen.

Den Hafenkapitän überlasse ich Jürgen. Ein kleines stickiges Büro lädt nicht zum Verweilen. Sehr amüsiert kommt Jürgen zurück. Er erklärt mir die komplizierte Formel zur Berechnung der Hafengebühr. 9,18 Euro kommt dann raus. Das muss muss mit der Anzahl der Tage multipliziert werden. „How long you stay?“ J: „Only one day“. „Ok“ sagt der Capitano und tippt in seinen Taschenrechner: 1 mal 9,18 ein. Das Ergebnis: 9,18.


Natürlich renne (oder gehe sehr schnell) ich jedes Mal zur Mole, wenn eine Fähre kommt. Das ist immer ein Spektakel. Es gibt grosse Fähren mit kleinen Autos drauf. Kleine Fähren mit großen Autos, schnelle Fähren ohne Autos, für jeden Geschmack etwas dabei.

So vergeht der Tag rasch und wir machen uns auf zu unserem Wirten. Volltreffer. Nur lokale Küche, die Kellnerin empfiehlt uns die frischesten Sachen. Rote Rüben und gebackenen Käse als Vorspeise, dann einen Schweineintopf Kleftiko und für mich gab‘s auch ein Schwein mit Ebli. Das war vielleicht lecker. Hauswein in weiß gehalten dazu und Blick aufs Meer. Was will man mehr?
Hier noch ein Rezept. Davon gibt es einige. Kostenlos als Postkarte im Lokal. Gute, nette Idee. Falls es jemand nachkochen möchte, bitte bald melden. Wir bringen dann die 5 Kilo einjährige Ziege mit.
Als Nachspeise, Geschenk des Hauses gab's eine undefinierbare weiße Pampe auf einem Löffel, ur süß in einem Glas Wasser. Wir wissen nicht genau was das war. Es hat uns gar nicht geschmeckt, ich hab mich aber nicht getraut es nicht zu essen.


Am Heimweg haben wir dann noch mein Traumschiff entdeckt. Ich überlege noch den Kauf und verhandle mit dem Besitzer. Vielleicht wird es was. Ich hoffe es ist nicht zu eng für mich und mein Schatzi.
Und jetzt zu Matthias Anfrage.
Wir haben uns viel Zeit genommen. Berechnet und studiert. Theorien entwickelt und philosophiert. Alle Theorien wurden durch Berechnungen widerlegt. Es blieb nur eine Lösung. Du hast es schon vermutet, es ist das Gewicht. Lösung: stärkere Speichen, ca 2cm

Sunday, 8 June 2014

Ein langer Tag

Um sechs war der Wecker gestellt doch irgendwie wollte der nicht. Um sieben haben wir dann Anker gelichtet. Zum Abschied hat sich Apollo, so haben wir die große Careta getauft noch einmal gezeigt und mit der Flosse Baba gewunken. Bei Morgenlicht sind wir an Monemvasi vorbeigefahren. Leider unter Motor, noch kein Wind.

Die Strecke beträgt laut Seekarte 65 Meilen. Wenn alles gut geht sind wir um 18 Uhr auf der Insel Milos, in Adhamas. Beim nachmessen waren es dann doch 71 und gefahren sind wir 88. Strömung und ein bisschen kreuzen haben den Tag verlängert. Um 23 Uhr tragen wir ins Logbuch ein: Vor Anker in Adhamas. Das war auch eine Premiere. Bei Nacht mit dem Anker anlegen. Nachdem die Stadt aber gut beleuchtet ist funktioniert alles bestens. Ein bisschen geärgert haben wir uns über unsere Nachbarn. Die haben keinen Finger gerührt als wir kamen und halfen nicht beim Anlegen. Wir rästeln über die Nationalität, wer macht so was? Es sind Russen.
Hier das Mittagessen. Krautfleisch mit Salzkartoffeln. Schön serviert. Ich muss mittlerweile auch das Müsli in der Früh garnieren, das Auge isst mit.

Das ist übrigens der Ausblick, wenn wir in der Küche stehen um zu kochen, Frühstück zu machen oder abzuwaschen. Da macht Küchenarbeit gleich mehr Spaß.

Und jetzt sind wir angekommen, im Griechenland wie ich es vor 20, Mist es sind schon fast 30 Jahren kenne. Weiße Häuser, blaue Kuppeln und Fenster, das Dorf an einem Hang gelegen. Viel touristischer ist es hier. Ein paar, die vor 20 Jahren hier waren sind noch immer da. Sie haben auch noch dieselben Sachen an wie damals. Griechenland verlockt zum Bleiben.
Der reichste Mann im Ort ist übrigens der, der weiße Farbe verkauft, der zweitreichste der mit der blauen und der drittreichste verkauft griechische Flaggen, die wehen überall.

Saturday, 7 June 2014

A so a schena Tog

Wie stressig wir es haben, habe ich ja schon berichtet. So war’s dann auch. Zuerst laufen, dann auf den Bauermarkt. Marillen, Paradeiser, Kartoffel, Orangen (sehr süß, sehr saftig, sehr lecker). Dann zum Supermarkt. Schon wieder kein Mineralwasser. Nur „natural“, keine Kugeln. Oja, Perier gibt es in der Glasflasche um 1,70.

Nach dem bunkern geh‘ ich wieder Angeln und fang noch zwei kleine Fische. Alle vier werden dann ausgenommen und entschuppt und dann ab in die Pfanne. Leider schmecken sie nicht so gut. Nicht schlecht, aber nicht so gut wie Evis Dori. Die Goldstrieme wird beim nächsten Biss wieder in die Freiheit entlassen.


Mittlerweile habe ich alle vier Schildkröten gesehen. Ich verfolge sie mit dem Schlauchboot und paddle leise hinter her. Zwei lassen sich das gefallen und tauchen alle zwei Minuten zum Luft holen direkt vor mir auf. Beeindruckendes Erlebnis. Besonders die große. Drei sind in etwa gleich groß, 60 cm und die vierte ist ein schönes Stück größer.
Dann muss wieder mit den Nachbarn geplaudert werden. Ein Italiener und eine Schweizerin auf einer Hallberg Rassy, 42 Fuss. Schaut aus wie ein italienischer Balkon, sie hatten heute Waschtag. Sie lagen jetzt 6 Monate in Kalamata, was sie dort gemacht haben? „Enjoy your life“ meint die Schwitzerin. Sie haben vier Katzen an Board. Die letzte haben sie in Ägypten als Baby von der Straße aufgeklaubt. Nix für uns. Untereinander sprechen sie Englisch, mit den Katzen sprechen beide Italienisch. Sehr witzig.

Um sechs machen wir uns wieder in die Altstadt auf. In der Früh beim Laufen war hier noch keine Menschenseele. Ab und zu klapperte irgendwo ein Teller. Jetzt ist die Stadt zum Leben erwacht. Ein Souvenirgeschäft reiht sich an das nächste. Ein Lokal neben dem anderen. Nur keine Kunden. Geparkt wird vor der Stadt, einspurig. Jeder probiert bis zur Stadt zu fahren um dann die 2 km wieder umzukehren und doch den Parkplatz ganz am Anfang zu nehmen.
Bevor wir in die Stadt kommen schauen wir noch einem aufgeregten Griechen beim Angeln im Hafenbecken zu. Ganz hektisch ist er. Er hat eine Rolle in der Hand und schwingt mit der anderen den Köder. Eine rasche Drehung und dann saust er hinaus, der Köder. Was ist das? Komisch gelb, drei Zacken, ich kann es nicht erkennen. Er zieht die Leine mit ruckartigen Bewegungen wieder ein. Jetzt wird’s hektisch. Er nimmt seinen Käscher und hält ihn ins Meer. Dann hupft er wie ein Rumpelstilzchen schreit und ärgert sich. Ich hab‘ noch immer nicht kapiert womit und was er fischt. Auf ein Neues. Zisccch, die Leine surrt. Ruckendes ziehen an der Leine und da plötzlich: Eine Krake, 30 cm lang schnappt sich den Köder wickelt sich um ihn herum, dass man ihn nicht mehr sieht. Sie lässt die Beute nicht los auch als der Fischer sie an die Wasseroberfläche zieht. Jetzt ist es nur mehr ein gekonnter Griff mit dem Kescher und gefangen ist das Tier. Er freut sich ungefähr so, wie ich, als ich den Ersten Fisch gefangen habe. Drei schnelle Stiche mit dem Taschenmesser, zwei in die Augen, einer dazwischen und ab ins Nylonsackerl damit. Jetzt liegt er da, der Köder. Ein Hühnerfuss mit einem Stück Kette, kein Haken, nix. Nur ein Hendlfussal. So geht das also.

Zu Abend suchen wir uns ein Lokal, wo gestern viele griechisch aussehende Leute gesessen sind. Das Essen ist gut und günstig. Der netten älteren Dame konnten wir mit unseren griechisch Kenntnissen kein Lächeln entlocken. Wortlos servierte sie das Essen. Nur beim Geschenk des Hauses wanderte ein kurzes Schmunzeln über ihr Gesicht. Ob wir Früchte wollen fragt sie in gutem Englisch. Einmal hatten wir das schon. Äpfel mit Zimt und Honig, sehr fein. Darauf freuen wir uns. Sie bringt uns kandierte Weintrauben in Honig. Eines der ganz wenigen Dinge, die wir beide nicht wollen. Picksüss würgen wird der Höflichkeit halber die Dinger runter. Darauf brauch ich einen Ouzo.

Friday, 6 June 2014

Wow, was für ein Ort, Monemvasia

Wir wissen, dass heute nicht viel Wind sein wird. Also haben wir es auch nicht eilig. Unser Ziel liegt nur 14sm nördlich ist also bequem in zweieinhalb Stunden erreichbar.
Leider nur unter Motor. Einmal probieren wir Segel zu setzen aber das wird nichts.



Wir liegen jetzt geschützt im Hafen von Monemvasia. Eine kleine Brücke verbindet eine Insel mit dem Festland. Sehr schön ist es hier. Hier warten wir, bis der Wind wieder bläst.

Die letzten zwei Tage hatten wir kein Internet, deshalb heute erst der Blog für die letzten Tage.
 
Den Text bisher habe ich gestern geschrieben. Dann ist noch viel passiert. Zuerst habe ich vier Fische gefangen. Tja Evi, dein Rekord ist eingestellt. Zwei essbare. Sie heißen Goldstrieme. Die anderen beiden wurden wieder freigelassen.
 
 Immer wieder bilde ich mir ein, dass da irgendwas den Kopf aus dem Wasser streckt. Bis ich mir sicher bin. Schildkröten. Careta-Careta. Mittlerweile wissen wir, dass es vier sind, die in der Bucht leben. Ich habe zwei gleichzeitig gesehen. Und dann gelang mir dieses Schnappschuss mit Jürgens Unterwasserkamera.
Immer noch habe ich Evis Satz im Ohr, dass die angriffslustig sind und so bin ich wieder ganz rasch im schützenden Schlauchboot. Trotzdem eines der schönsten Erlebnisse der Reise (Natürlich hinter dem Erlebnis, als in Zakynthos am Flughafen die Schiebetüren aufgingen).
Heute früh waren wir beide laufen. Auf der kleinen Insel mit dem kleinen Städtchen. Es gibt keine Straße die breiter als 2 Meter ist. Das ganze Dorf ist von einer Stadtmauer umgeben und ist unglaublich sehenswert und hübsch. Am Weg dorthin, ich habe ja immer meinen "Der tuat nix" Stock wegen der Hunde mit, hat mein Stock einen neuen Einsatzzweck bekommen. Spinnennetze überall. Über den Weg gespannt und sehr sehr große Spinnen mitten drin. In zwei bin ich mit dem Gesicht voll hineingelaufen.
Gestern beim Abendessen haben wir den Blick auf diese Kulisse genießen können.
Als ich vom Laufen zurückkam schwammen gerade zwei Caretas direkt vor unserem Steg.
Einer, der kleineren bin ich dann nachgetaucht.
Sonst sind wir ziemlich im Stress und wissen nicht, was wir zuerst tun sollen. Laufen gehen, Kafee trinken, Bauermarkt einkaufen, Supermarkt einkaufen, Schildkröten schaun, fischen, Fisch ausnehmen, Schlauchboot fahren, alte Stadt anschaun, dann noch mit den Nachbarn plaudern. Ich sag's euch.
Diese kleine Stadt, die wir nur besuchen, weil es keinen Wind gibt (Danke, kein Wind) ist wirklich einen Besuch wert. Auch die Tavernen sind günstig und gut. Der Bauernmarkt noch günstiger. Wir liegen umsonst am Kai und es gibt sogar Wasser. Man kann im Hafenbecken schwimmen, wenn man sich traut und nicht gerade das Boot mit den Russen ...
 

Thursday, 5 June 2014

Unentschlossen

Tagwache um 6 Uhr, wir haben viel vor. Kurz nach acht streckt Jürgen seinen Kopf aus der Koje. Was ist nun mit viel vor? Keine Lust? Macht nichts, wir haben ja Zeit.

Trotzdem wir wollen weiter. Der Wind verspricht nichts Gutes. Wenn wir hier bleiben haben wir eine Woche keinen Wind. Das wollen wir nicht.
Hier die Törnplanung: M: „Wohin foa ma?“ J: „I was ned, auf die Insel“ M: „Wöche?“ J: „Na die Erste in den Zirkaden – oder so“ M: „Ok“

Die Erste Stunde gibt es tollen Wind, wir segeln. Dann die Erste Flaute. Nach ein bisschen herumtümpeln geht es weiter. Die Ersten großen Schiffe zeigen sich. Wir kommen zu einer Enge zwischen dem Peloponnes und der Insel Kythera. Die gesamte Schifffahrt von Athen nach irgendwo muss hier durch. Und wir auch. In der Karte steht rechts halten. Das tun wir auch. Glücklicherweise sind wir hier nicht in der Nacht. Bis zu zehn Dampfer sehen wir zur selben Zeit. Einer hats auf uns abgesehen. Wir planen schon Plan B, wie nah können wir uns zur Insel verholen? Es geht sich dann doch aus. Die Ismail Sener zieht an uns vorbei. Eine Stunde später hören wir ihn nochmal am Funk. Er macht sich mit einem anderen Schiff aus, wie sie aneinander vorbei fahren. „I will pass you port to port, red to red“ für die Seemänner im Blog.
Noch später kommt eine PAN PAN Meldung über den Funk. Ein Notruf. Ein "Seeman over board" nördlich von Kreta. Kurz nach der Meldung kam das über Funk: "Greeek radio station, this is german war ship please repeat your PAN PAN". Aha, die deutschen patrolieren hier auch?
 
 
Und dann begann das große Zweifeln. Wir tümpeln mit 2 Knoten dahin. Bis zu unserem Ziel sind das immerhin 60 Stunden, das wollen wir nicht. 10 Stunden mit dem Motor fahren wollen wir auch nicht. Zur Insel zurück, die ein Plätzchen für uns hätte wollen wir auch nicht, da müssten wir nochmal durch die großen Schiffe. Um die Ecke am Peloponnes hat unser Imray Führer auch nichts für uns parat.

Was nun? Wir machen eine Premiere: Wir suchen uns selbst ein Platzerl das nirgends beschrieben ist. In unserer Navionics Karte finden wir eine Bucht mit 13 Meter Wassertiefe, die schauen wir uns an. Der Boden ist gut, Kies, der Anker hält, wir bleiben da. Eine sehr ruhige Bucht. Kein anderes Schiff, nur wir. Ein paar Häuser am Hang, eine Ziegenherde blökt. Ein alter Mann mit seinem Fischerboot holt seine Angel ein. Die Sonne geht rasch hinter dem steilen Berg unter. Ein Taucher plätschert am Rand der Klippen entlang. Wir nehmen an, dass er Tintenfische mit der Harpune jagt.
Das Essen: Zu Mittag gab es Hühnercurry mit Reis. Basil musste Haar lassen, aber der schaut momentan eh‘ nicht so gut aus. Ich hab ihm gut zugeredet, dass er wieder schöner wird. Jürgen hat ihn angepfaucht: „Wenn du ned schena wirst, dann fliagst über Board und wir kaufen uns an Basil zwa“

Am Abend gab es selbst gemachtes Tsatsiki. Griechisches 10% Joghurt, schön fest (gekauft beim Lidl in Kalamata. Als Jürgen heute das Etikett las traf uns der Umschlag: hergestellt im Schwarzwald, in Deutschland), Olivenöl, Oliven, Salz, Pfeffer, Gurke und viel Knoblauch. Dazu wurde Weissbrot gereicht. In der Früh hab‘ ich uns ein Omlett gemacht. Mit Eiern von Carefour. Als ich die Beschriftung las hat es mich auch umgehaut. 3er Eier, dass es sowas noch gibt. In Gloggnitz beim Hofer kauf ich immer die Bio 0er Eier, wenn’s schlimm kommt, beim Spar die 1er, Bodenhaltung. Aber 3er, Käfighaltung das geht gar nicht. Sie haben mir gleich gar nicht geschmeckt.
Noch ein Hinweis zu unserer Navigation: Wir haben zwei Tablets mit der Software Europe HD von Navionics. Da ist das ganze Mittelmeer in ausreichender Genauigkeit drauf. Für die Einfahrt in Häfen haben wir von Imray den „Greek Waters Pilot“ und für die Ionischen Inseln zusätzlich von meiner lieben Freundin Brigitte den „Revierführer Inonisches Meer“. Damit kommen wir gut aus. Auch für die Ionischen hatten wir noch eine Papierkarte von Imray. Wir wissen, dass es nicht gute Seemannschaft ist, dass wir nicht für alle Gewässer Papierkarten haben, aber da wir nicht wissen wo wir hinfahren hätten wir für zirka 2.000 Euro Karten auf Verdacht kaufen müssen. Elektronik kann ausfallen, dass wissen wir, drum gibt’s die Tablets zweimal und zusätzlich Jürgens Handy, das kann das auch. Das Bord GPS verwenden wir nur mehr zur Ankerwache, da ist seit Korfu keine Karte mehr drauf und zeigt nur blau.
Hier unser Ankerplatz am nächsten Morgen fotografiert.